Nachhaltige Entwicklung

In der Gegenwart erleben wir eine grundlegende Krise unserer Art zu leben und zu wirtschaften. Unsere Gesellschaft scheint durch die Zahl, die Komplexität und den Zusammenhang der Probleme und Herausforderungen überfordert zu sein. Die Zukunft der Kinder wird in hohem Maße von Lebens- und Überlebensfragen bestimmt, auf die wir als Erwachsene gemeinsam mit den Kindern Antworten finden müssen. Wir leben in einer Welt, die von Prozessen der Globalisierung geprägt ist. Globalisierung ermöglicht weltweite Vernetzung und Kommunikation, birgt aber auch vielfältige Risiken mit gravierenden Folgen für die Zukunft des Planeten Erde und den Zusammenhalt von Gesellschaften. Eine ungebremste Ressourcennutzung verbunden mit einem hohen Energieverbrauch führt zu steigendem Verkehrsaufkommen, riesigen Abfallmengen und in der Folge zum Verlust von biologischer Vielfalt, zur Freisetzung von Treibhausgasen, Emission von Schadstoffen und Verstärkung des Klimawandels. Auf diese Veränderungen müssen die jetzige und die zukünftigen Generationen verantwortungsvoll reagieren lernen. Es gilt Lebensgrundlagen zu erhalten und auf eine gerechtere Verteilung von Ressourcen hinzuarbeiten, damit nicht die Gesellschaften des globalen Nordens auf Kosten der armen Länder im Süden leben. Politik, Wirtschaft und die Zivilgesellschaft müssen erkennen, dass nachhaltiges Handeln für eine zukunftsorientierte Entwicklung unverzichtbar ist.

Die Kompetenzen dafür sollen Kinder entwickeln und Lehrkräfte vermitteln können. Bildung für die Zukunft heißt, die Mitmenschlichkeit und das Soziale in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen und nicht den Profit, den Konsum und die Technik. Um Kompetenzen und Fähigkeiten für einen nachhaltigen Umgang mit dem Planeten Erde
zu schulen, verfolgt der Grundschulverband ein ganzheitliches Bildungskonzept, das Kinder, Pädagogen und auch Eltern zu zukunftssicherndem Denken und Handeln befähigen soll. Elementar ist dabei, dass soziale, ökonomische, politische und ökologische Herausforderungen nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Nicht nur internationale Verhandlungen und Abkommen zählen, sondern auch die Beteiligung jedes Einzelnen ist von Bedeutung. Bildung und Schule werden in die Verantwortung genommen, wie es die Vereinten Nationen 2015 mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (die Sustainable Development Goals, kurz SDGs) verabschiedet haben: Bis 2030 soll sichergestellt werden, »dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung« (Unterziel 4.7 der SDGs).

Die Verantwortung der Grundschule

Schule und Erwachsene sollen Kindern keine Zukunftsangst machen, sondern Zuversicht ausstrahlen, die Achtung vor der Natur wecken und den Respekt vor dem Leben entwickeln helfen. Wenn die Grundschule systematisch Lebens- und Lernformen gestaltet, die Kinder anregen, mit sich selbst Sinnvolles anzufangen, Ideen zu entwickeln und gemeinsame Vorhaben zu bearbeiten, sich selbst zu steuern und auf die Bedürfnisse der anderen zu achten, dann können sich Haltungen und Fähigkeiten entwickeln, die auch für demokratisches und umweltgerechtes Handeln grundlegend sind.

Über den Bezug zur eigenen Lebenswelt können bereits Grundschulkinder Kompetenzen für die nachhaltige Gestaltung ihres Lebensumfelds und letztendlich der Welt erwerben. Sie erfahren die Auswirkungen der Globalisierung und die Möglichkeiten nachhaltigen Handelns durch Angebote zum aktiven Forschen und Nachfragen im Lerngeschehen der Schule, auf dem Schulweg oder auch in den Stadtteilen oder ihrem Wohnort. Je früher Kinder für Themen und Fragestellungen zur Nachhaltigkeit sensibilisiert werden und je selbstverständlicher nachhaltiges Handeln im Schulalltag stattfindet, desto selbstverständlicher wird später ihr kritischer und reflektierter Umgang mit den Herausforderungen der Gesellschaft sein. Dabei geht es u. a. um die Fähigkeit, ein Phänomen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, z. B.: Was passiert hier und anderswo, wenn der Meereswasserspiegel ansteigt? Habe ich einen Einfluss darauf? Ist es gerecht, wenn Menschen, die am wenigsten dafür können, die Auswirkungen am stärksten spüren? Themen für die Grundschule sind unter anderem: Klimaschutz, nachhaltiger Konsum, kulturelle Vielfalt und soziale Gerechtigkeit.

Der Grundschulverband fordert

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Schule als Erfahrungsraum und gesunde Umwelt gestalten
Dafür müssen Nachhaltigkeitsaspekte im Schulalltag selbstverständlich gelebt und bei der Betriebs- und Mitarbeiterführung berücksichtigt werden. Das gilt sowohl für die Bewirtschaftung als auch für das soziale Miteinander. Bei der Gestaltung von Lebensräumen, also auch und besonders des Lebensraums Schule ist eine wesentliche Frage, ob dies jeweils der Gesundheit der Kinder und Erwachsenen dienlich ist. Ein Leben in gesunden Verhältnissen ist ein Kinder- und Menschenrecht.
  • Intensive Naturerlebnisse gehören zum gelingenden Aufwachsen. Keine Simulation, keine
    mediale Vermittlung ersetzt die originäre Begegnung, die eine Wertschätzung von Natur und Umwelt ermöglicht.
  • In und außerhalb der Schule sind vielfältige Bewegungsformen zu ermöglichen. Die Erfahrung des eigenen Körpers und die Entfaltung seiner Sinne sind elementare Bestandteile grundlegender Bildung. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad z. B. den Schulweg zu bewältigen, sollte für Kinder selbstverständlich sein und schult wesentlich die Wahrnehmung für das Lebensumfeld. 
  • Architektonische Kälte und Verfall der Bausubstanz fördern Gleichgültigkeit und Gewaltbereitschaft. Lernräume brauchen eine ästhetische und eine kommunikative Qualität. Schulen müssen nach ökologischen Prinzipien gestaltet werden (z. B. Verzicht auf Tropenholz, Minimierung des Energiebedarfs).
  • Ohne gesunde Ernährung gibt es keine gesunde Lebensweise. Dies ist unter anderem ein ständiger Merkposten für die Gestaltung des Schulessens. Unter nachhaltigen Aspekten gehört auch die Verwendung regionaler und jahreszeitlicher Produkte dazu.
  • Lebens-, Lern- und Leistungsängste sowie negativer Stress sind Quellen von Krankheit. In einem Klima der Wertschätzung, durch Zusammenarbeit, Zeit für individuelle Entwicklung, selbstbestimmtes Lernen werden psychische Belastungen vermieden.
  • Für die ganzheitliche Umsetzung dieser Lebens- und Lernbedingungen sind Ressourcen und Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen.
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Schule braucht Kooperationen und Öffnung nach außen
Die Öffnung der Schule in den Stadtteil bzw. in die Kommune ist ein wichtiger Schritt, um das Anliegen der Nachhaltigkeit sowohl innerhalb der Schule zu konkretisieren und zu festigen als auch in die Gesellschaft zu tragen. Im Wechsel spiel sollten hier Methoden ausgetauscht und erprobt sowie Kompetenzen erfahrbar und wirksam werden und zu gemeinsamem Handeln führen. Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit – insbesondere von Ganztagsschulen – und damit der Auf- und Ausbau von lokalen Bildungslandschaften sind wertvoll und müssen gezielt genutzt werden. So können weitere Schnittstellen mit außerschulischen Akteuren (z. B. anderen Bildungseinrichtungen, Kommunen, Schulfördervereinen, NGOs, Unternehmen) und Netzwerken für eine nachhaltige Entwicklung geschaffen und Strukturen für einen übergreifenden Austausch von Schulen gefördert werden.
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Nachhaltige Entwicklung ist Gesamtaufgabe des Bildungswesens
Die Ministerien auf Bundes- und Landesebene sind hier genauso gefordert wie die Behörden der Bildungsverwaltung. Sie müssen das Anliegen nachhaltige Entwicklung konsequent mitdenken und auf Grundlage ihrer jeweiligen Zuständigkeiten und auf unterschiedlichen Ebenen Strukturen und Netzwerke fördern sowie Ressourcen bereitstellen. Dazu gehört auch, nachhaltige Entwicklung in Bildungsplänen zu verankern und die beschriebenen Kompetenzen als Bildungsziele zu etablieren. Eine sich weiter entwickelnde inklusive Grundschule bildet innerhalb der Bildungsbiografie der Kinder im Zusammenwirken mit Elternhaus, Kita und weiterführenden Schulen einen wirkungsvollen Erlebens- und Lernraum für nachhaltiges Lernen und Handeln und damit für eine zukunftsorientierte und zukunftssichernde Gestaltung des Zusammenlebens. Die Weiterentwicklung von nachhaltig wirkenden Strukturen muss in konsequenter Kooperation von Pädagoginnen und Pädagogen, Kindern und Eltern erfolgen und durch die Förderung der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften und Multiplikatoren für den Bereich der nachhaltigen Entwicklung vorangebracht werden. Standpunkt

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